Datenbasierte Schulentwicklung: Wohl oder Übel?
„Was du nicht messen kannst, das kannst du nicht lenken.“ Dieser Satz wird dem Managementvordenker Peter Drucker zugeschrieben. Er stammt aus einer Zeit, da vieles noch von Maschinen produziert wurde. Die datenbasierte Schulentwicklung orientiert sich an dieser Maxime: Maßnehmen kommt vor Maßnahmen bzw. mache es so, dass man es messen kann. Damit verbunden ist häufig eine Abwertung all dessen, was man nicht messen kann. Doch passt dies zur Schule? Sollen sich Schulen, in denen vor allem Menschen arbeiten und Leistungen erbringen, an Maschinensystemen oder an lebendigen Systemen orientieren?
Schulen brauchen Management und Führung
Wie so oft liegt die Antwort im Sowohl-als-auch. Eine Schulleitung benötigt – für das Management – Zahlen, Daten, Fakten. Damit kann sie quantifizierbare Aspekte der Schulentwicklung messen, auch im Vergleich zu anderen Schulen. Im Sinne der Führung (Leadership) braucht eine Schulleitung jedoch mehr als Zahlen, nämlich Menschen, die diese Zahlen bewirken. Sie braucht dafür geteilte und gelebte Leitbilder, Werte und Ideale. Damit kann die Schulleitung die Schulgemeinschaft begeistern und ihr Engagement und ihr Commitment gewinnen und ausrichten.
Was bedeutet datenbasierte Schulentwicklung?
Datenbasierte Schulentwicklung bedeutet, Entscheidungen und Entwicklungsschritte anhand von überprüfbaren Zahlen und Daten, also an den „Hard Facts“ auszurichten. Die zentrale Frage lautet: Woran können wir messen, ob unsere Maßnahmen wirken, ob sich etwas in Richtung Zielerreichung verändert hat und ob wir unser Ziel erreicht haben? Ziele sind dabei nur dann „SMARTe“ Ziele, wenn sie sich quantifizieren lassen, denn das „M“ steht für „messbar“.
Doch nicht alles lässt sich quantifizieren, vor allem dann nicht, wenn es sich um „Soft Facts“ und Qualität handelt. Wo Messen nicht möglich ist, kann man allerdings ein Ziel auch mit konkret beobachtbaren Kriterien definieren. Die zentrale Frage lautet dann: Woran konkret werden wir beobachten können, ob wir auf unser Ziel hinwirken und es erreichen werden?
Qualität entsteht nicht durch Zahlen, sondern durch Menschen
Gute Schulqualität entsteht durch menschliches Zusammenwirken dort, wo Schulentwicklung, Unterrichtsentwicklung und Lernentwicklung ineinandergreifen. Eine hilfreiche Metapher: Schule ist ein lebendiges System, das wie ein Garten gepflegt werden will.
- Lebendige Systeme werden gedüngt, gehegt und gepflegt. Sie wachsen am besten auf nährstoffreichem, sozialem Boden.
- Sie gedeihen in guten Beziehungen, in wertschätzenden Begegnungen und mit unterstützender Zuwendung und Zutrauen.
- Manche wissen intuitiv, was es dafür braucht. Andere nehmen Bodenproben, messen, ob alles optimal ist, und bessern bei Bedarf nach. Beides ist legitim, denn Qualität braucht guten Nährboden.
Qualität entsteht in den Köpfen und Herzen
Es gibt gute Gründe, die Qualität der Schul- und Lernkulturentwicklung in den Mittelpunkt zu stellen. Eine gelebte Schulkultur erzeugt fast von selbst das, was man von außen und im Ergebnis gern bewirken, messen oder beobachten möchte. Die entscheidende Frage lautet daher: Wie machen wir Schulentwicklung lebendig und bringen sie in den Alltag?
Sechs Grundsätze für eine Schule auf dem Weg
Wie häufig kommt es auf das Wie, das rechte Maß und die Reihenfolge an. Diese sechs Prinzipien helfen:
- Leitbilder und Ziele gemeinsam erarbeiten. Nur was die Schulgemeinschaft gemeinsam entwickelt hat, trägt im Alltag.
- Erst Visionen, Leitbilder oder Intentionen formulieren, dann die Ziele, also die angestrebten mess- oder beobachtbaren Ergebnisse ableiten. Die umgekehrte Reihenfolge funktioniert nicht.
- Messbare und beobachtbare Ziele ins Verhältnis zur Ausgangssituation setzen. Das generiert Spannung.
- Gemeinsam den Weg zur Zielerreichung planen, Meilensteine setzen und Schritt für Schritt gehen.
- Konsequenzen ziehen. Aufgeben, de-implementieren und de-installieren, was keine Wirkung zeigt.
- Blick über den Tellerrand: Zahlen anderer Schulen nutzen. Wer die eigenen Daten einordnen will, schaut auch auf andere Schulen. Vergleichszahlen liefern Orientierung und neue Impulse. Sie ersetzen aber nicht die eigene Vision, sondern ergänzen sie.
Fazit: Datenbasierte Schulentwicklung ist Wohl und Übel zugleich
Datenbasierte Schulentwicklung ist weder reines Wohl noch reines Übel. Sie wird zum Gewinn, wenn sie die Schulgemeinschaft im Fokus hat und im Dienst einer Schulkulturentwicklung steht. Dann führt dies ganz nebenbei zu Zahlen, die alle besser dastehen lassen.
Wir beraten, begleiten und entlasten Sie bei Ihrer daten-, werte- und haltungsbasierten Schulkulturentwicklung
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Daten zeigen an – Entwicklungen brauchen Wege und Menschen – was sich 2026/27 in Berlin in puntco Schulvertrag ändert
Schulverträge sind in Berlin nicht neu, fast alle öffentlichen Schulen haben einen. Neu ist seit 2026 die gesetzliche Pflicht, ihn abzuschließen. Der Schulvertrag ist eine Ziel- und Leistungsvereinbarung, dessen Grundlage das Berliner Indikatorenmodell ist – ein digitales Analyse- und Steuerungsinstrument der Schulaufsicht in Berlin, das schulspezifische Daten und Kennzahlen übersichtlich aufbereitet.
Dazu kommt der neue § 9a des Schulgesetzes, beschlossen am 9. Juli 2026. Schulen erheben nun einmal im Schuljahr mit standardisierten Tests den Lernstand in Deutsch und Mathematik. In den Jahrgangsstufen 4 und 9 gibt es in diesem Schuljahr erstmals Wiederholungstestungen.
Berliner Schulen bekommen also mehr Daten als je zuvor. Was sie damit anfangen, regelt kein Gesetz. Darum geht es in diesem Beitrag.
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Genau darin liegt ihr Wert. Wenn die Leseergebnisse eines Jahrgangs deutlich abfallen, ist das ein Anlass, dort ein Ziel zu setzen und eine Strategie zu entwickeln. Die Zahl gibt den Anstoß, die Antwort kommt aus gezielten Entwicklungsschwerpunkten zur Unterrichtsqualität, ganz individuell und bedarfsgerecht.
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Welche guten Gründe gibt es für neue Prüfungsformate? Wie können Schulen den Weg hin zu lernprozessbegleitenden, reflexiven, kompetenzorientierten Formaten erfolgreich und nachhaltig beschreiten?
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Die Digitalisierung hat bereits viele Aspekte des Lebens, der Arbeit und des Alltags vom Analogen ins Digitale transformiert. Und dieser Trend wird anhalten und sich sogar noch beschleunigen. Das analoge Zeitalter geht zu Ende. Wir alle leben längst in einer Kultur der Digitalität. Diese Entwicklung stellt Schulentwicklung vor neue Herausforderungen und wirft die Frage auf: Wie gelingt Lernen und Lehren an unserer Schule in einer Kultur der Digitalität?
Unser Studientag: Digitalisierung gemeinsam voranbringen
Bei Themen zur Digitalisierung an Schulen gerät man rasch in eine Diskussion mit digitalen Untiefen, in der es dann nur noch um „0“ oder „1“ geht: Handyverbot „ja“ oder „nein“, „Apple“ oder „Microsoft“, „Bring Your Own Device“ (BYOD) oder „School Device“. So erging es einer Schulleitung, als sich das Kollegium zusammensetzte und sich rasch in einer solchen Auseinandersetzung „Apple“ oder „Microsoft“ wiederfand, die unlösbar war und das Kollegium spaltete. Das hinterließ Opfer und Verletzungen. Die Schulleitung handelte klug, indem sie das Thema auf einen nahenden Kollegiumstag vertagte und versprach, hierzu externe Moderation hinzuzuziehen. Und so konnte sie mit dem Kollegium die Digitalisierung gemeinsam voranbringen.
Trotz alledem: Ein Plädoyer für mutige Schulentwicklung in schweren Zeiten
Schulentwicklung heißt: Eine attraktive Zukunft gemeinsam gestalten. Schulen entwickeln sich nicht automatisch in eine positive Richtung – sie entwickeln sich in die Richtung, auf die wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Deshalb:
• Richten Sie den Blick auf Ihre Potentiale, Stärken und Ressourcen.
• Erzählen Sie sich von Erfolgen und Momenten des Gelingens und wie sie diese vermehren können.
• Schaffen Sie Räume für Sinn, Energie und gemeinsame Entwicklung.
Partizipativ entscheiden – echte Beteiligungskultur in der Schule
In allen Bundesländern ist die Beteiligung von Schüler:innen gesetzlich verankert – meist über Schulgesetze und Verordnungen zur Schülervertretung (SV).
Diese Vielfalt zeigt: Der rechtliche Rahmen ist wichtig, aber ausschlaggebend für lebendige Beteiligungskultur ist das, was Schulen daraus machen. Partizipation entfaltet dort ihre Wirkung, wo sie mit Haltung, Mut und Offenheit gelebt wird – unabhängig davon, was „Pflicht“ ist.
Partizipationsmöglichkeiten der Schülervertretungen sind ein entscheidender Bestandteil demokratischer Bildung und eine praktische Übung in Mitverantwortung. Je stärker die Beteiligung von Schüler:innen im schulischen Alltag verankert ist, desto selbstverständlicher erleben sie sich als Teil einer demokratischen Gemeinschaft. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung ist es zentral, jungen Menschen konkrete Erfahrungen mit Mitbestimmung, Aushandlung und Verantwortung zu ermöglichen.
Dazu bieten wir in diesem Blog fünf konkrete Vorschläge.
Einführung kollegialer Fallberatung
Was tun, wenn man bei einem komplexen Problem nicht weiterkommt? Wenn eine Entscheidung schwerfällt oder ein Konflikt belastet? Oder Verunsicherung im Bezug zur eigenen Unterrichtspraxis besteht? Oft hilft der Blick von außen – am besten von Menschen, die die eigenen Herausforderungen ziemlich gut kennen und das sind Kolleg:innen.
Die kollegiale Fallberatung findet in der Regel selbstständig und ohne Moderation von außen statt. Sie dient dazu, Feedback und Beratung zu erhalten, um gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln. Wenn die Methode gut etabliert ist, kann sie gewinnbringend für die Fallgeber:innen und die kollegialen Berater:innen.
Systemische Supervision für Schulen zur Schulentwicklung
Systemische Supervision arbeitet sowohl auftragsbezogen als auch prozessorientiert. Teilnehmer der Supervision werden als Experten ihrer Person und ihrer Arbeit betrachtet und stehen im Dialog mit den Supervisoren als Unterstützter. Sie bringen u.a. eine Außenperspektive auf individuelle, fachliche und institutionelle Kontexte ein und machen durch systemische Fragestellungen Interaktionen, Muster und Prozesse sichtbar. Unterschiede können wahrgenommen werden. Damit gelingt es zu erkennen, was verändert und was beibehalten werden kann und soll.