Unser Kollegiumstag: Digitalisierung gemeinsam voranbringen
Digitalisierung lässt sich nicht mit digitalen Diskussionen lösen
Bei Themen zur Digitalisierung an Schulen gerät man rasch in eine Diskussion mit digitalen Untiefen, in der es dann nur noch um „0“ oder „1“ geht: Handyverbot „ja“ oder „nein“, „Apple“ oder „Microsoft“, „Bring Your Own Device“ (BYOD) oder „School Device“. So erging es einer Schulleitung, als sich das Kollegium zusammensetzte und sich rasch in einer solchen Auseinandersetzung „Apple“ oder „Microsoft“ wiederfand, die unlösbar war und das Kollegium spaltete. Das hinterließ Opfer und Verletzungen. Die Schulleitung handelte klug, indem sie das Thema auf einen nahenden Kollegiumstag vertagte und versprach, hierzu externe Moderation hinzuzuziehen. So konnte sie mit dem Kollegium die Digitaliserung weiter voranbringen.
Digitalisierung ganzheitlich verstehen
Wir haben zunächst zehn Personen, die zufällig ausgewählt wurden und an der Konferenz teilgenommen haben, interviewt.
- Wie ist aus Ihrer Sicht die Konferenz verlaufen?
- Welche Erwartungen haben Sie an den Kollegiumstag?
- Was bewegt Sie zum Thema Digitale Bildung und Digitalisierung an ihrer Schule?
Die Interviews wurden von uns ausgewertet. Auf dieser Basis entwickelten wir eine Strukturierung des bis dahin diffusen Themas „Digitalisierung“. Diese Struktur stellten wir gemeinsam mit einer Konzeption für den Kollegiumstag dem Steuerungsteam vor. Wir bekamen grünes Licht für die Strukturierung und die Dramaturgie des Kollegiumstages.
Digitalisierung gemeinsam vorantreiben
Im Mittelpunt des Kollegiumstages haben wir „10 Baustellen zur Digitalisierung“ aufgemacht und vorbereitet. Diese wurden dann am Kollegiumstag von vorab gebildeten Bauteams bearbeitet. Vorab geschulte Kolleg:innen moderierten die Bauteams. Dadurch war sichergestellt, dass die Gespräche mit dialogischer Haltung, auf Augenhöhe, wertschätzend, strukturiert und zielorientiert geführt werden konnten. Alle Teams erhielten spezifisch auf die jeweilige „Baustelle“ zugeschnittene Arbeitsaufträge Auf diese Weise konnten sie selbstorganisiert arbeiten. Am Ende präsentierten die Teams dem Steuerungsteam und dem Plenum ihre drei wichtigsten Empfehlungen für die Weiterbearbeitung der „Baustelle“ vor, hinter denen sie gemeinsam stehen konnten. So konnte das Kollegium das Thema Digitalisierung gemeinsam vorantreiben.
Aufgrund der auslaufenden Coronazeit fand der Kollegiumstag hybrid statt: Drei Teams arbeiteten in der Schule, die anderen Teams in virtuellen Räumen. Somit war der Kollegiumstag auch ein positives Erlebnis hinsichtlich der digitalen Möglichkeiten und Kompetenzen, über die die Schule verfügt, sowie des wirkungsvollen Umgangs damit.
Erfolgsfaktoren
Digitalisierung gemeinsam vorantreiben, so kann es gelingen:
· Das gesamte System in einen konstruktiven, wertschätzenden Raum vereinen.
· Dialogische Haltung statt digitaler Diskussionen
· Gemeinsames Engagement und Nachdenken wecken
· Ganzheitliches Vorgehen
· Leadership und Engagement der Schulleitung und der Mitglieder des Steuerungsteams
· Externe Strukturierung, Begleitung und Entlastung
Rückmeldungen nach der Veranstaltung
· „Die Zufriedenheit im Kollegium ist sehr hoch. Wir haben ein gemeinsames Fundament zum Weiterarbeiten. Auch die Digitalisierung an sich hat einen Schwung bekommen.“
(Eine Stimme aus der Schulleitung)
· „Ich bin ebenfalls begeistert, wie gut der Studientag sowohl von der technischen als auch von der inhaltlichen Seite abgelaufen ist. Im Vorfeld habe ich nicht gedacht, dass alles so reibungslos verlaufen wird.
Viele KollegInnen waren wohl im Vorfeld des Studientags ebenfalls skeptisch, ob das alles auf dem digitalen Weg funktionieren kann. Diese haben gestern und heute ihre Begeisterung über den Ablauf und die Ergebnisse verlauten lassen. Es gab sehr viele positive Rückmeldungen zum Technischen, aber auch zur gewählten Methode und dem gesamten Ablauf.
Insgesamt kann ich auch ein sehr positives Fazit ziehen und denke, dass wir viele wichtige Dinge ansprechen und mit einigen Botschaften für die Weiterarbeit an verschiedensten Stellen im Sinne des Kollegiums senden konnten.“
(Eine Stimme aus dem Steuerungsteam)
„Mich haben viele Stimmen des Kollegiums erreicht, die die Vorbereitung, den äußeren Rahmen, das Zusammenarbeiten und die Ergebnisse des Studientags gelobt haben.“
(Eine andere Stimme aus dem Steuerungsteam)
… und so gelingt Schulentwicklung: Ein Leitfaden für Ihre Schule
Weitere Blog-Artikel
Datenbasierte Schulentwicklung: Wohl oder Übel?
Datenbasierte Schulentwicklung: Wie viel Zahlen braucht Schule als vitales System und was darüber hinaus? Wie gelingt Schulkultur-, Werte- und Haltungsentwicklung?
Der neue Berliner Schulvertrag 2026/27: Was machen wir jetzt daraus?
Schulverträge sind nicht neu, alle öffentlichen Schulen in den Bundesländern haben einen. Neu ist in Berlin seit 2026 die gesetzliche Pflicht, ihn abzuschließen. Der Schulvertrag ist eine Ziel- und Leistungsvereinbarung, dessen Grundlage das Berliner Indikatorenmodell ist – ein digitales Analyse- und Steuerungsinstrument der Schulaufsicht in Berlin, das schulspezifische Daten und Kennzahlen übersichtlich aufbereitet.
Dazu kommt der neue § 9a des Schulgesetzes, beschlossen am 9. Juli 2026. Schulen erheben nun einmal im Schuljahr mit standardisierten Tests den Lernstand in Deutsch und Mathematik. In den Jahrgangsstufen 4 und 9 gibt es in diesem Schuljahr erstmals Wiederholungstestungen.
Berliner Schulen bekommen also mehr Daten als je zuvor. Was sie damit anfangen, regelt kein Gesetz. Darum geht es in diesem Beitrag.
Daten sind nur ein Anzeiger. Warum die Zahl so ausfällt und was zu tun ist, sagen sie nicht.
Genau darin liegt ihr Wert. Wenn die Leseergebnisse eines Jahrgangs deutlich abfallen, ist das ein Anlass, dort ein Ziel zu setzen und eine Strategie zu entwickeln. Die Zahl gibt den Anstoß, die Antwort kommt aus gezielten Entwicklungsschwerpunkten zur Unterrichtsqualität, ganz individuell und bedarfsgerecht.
Schule entlasten – Vom Loslassen und Umdenken
De-Implementierung heißt loslassen und umdenken. Wer sich entlasten will, sollte sich Zeit nehmen und überlegen: Wie könnte es anders und leichter gehen? Wo gibt es Ansatzpunkte und Hebel für Entlastungen?
Neue Lern- und Prüfungsformate – Chancen für gutes Lernen und echte Entwicklung
Die Art und Weise, wie in Schule gelernt und geprüft wird, steht aktuell in einer grundlegenden Diskussion: Klassische schriftliche Tests, zeitlich fixierte Prüfungen und einseitige Wissensabfragen verlieren ihre alleinige Legitimation. Stattdessen rücken lernprozessbegleitende, kompetenzorientierte und authentische Formate in den Mittelpunkt – passend zu den Anforderungen einer vernetzten, digitalisierten und komplexen Welt.
Welche guten Gründe gibt es für neue Prüfungsformate? Wie können Schulen den Weg hin zu lernprozessbegleitenden, reflexiven, kompetenzorientierten Formaten erfolgreich und nachhaltig beschreiten?
Lernen und Lehren in einer Kultur der Digitalität
Die Digitalisierung hat bereits viele Aspekte des Lebens, der Arbeit und des Alltags vom Analogen ins Digitale transformiert. Und dieser Trend wird anhalten und sich sogar noch beschleunigen. Das analoge Zeitalter geht zu Ende. Wir alle leben längst in einer Kultur der Digitalität. Diese Entwicklung stellt Schulentwicklung vor neue Herausforderungen und wirft die Frage auf: Wie gelingt Lernen und Lehren an unserer Schule in einer Kultur der Digitalität?
Unser Studientag: Digitalisierung gemeinsam voranbringen
Bei Themen zur Digitalisierung an Schulen gerät man rasch in eine Diskussion mit digitalen Untiefen, in der es dann nur noch um „0“ oder „1“ geht: Handyverbot „ja“ oder „nein“, „Apple“ oder „Microsoft“, „Bring Your Own Device“ (BYOD) oder „School Device“. So erging es einer Schulleitung, als sich das Kollegium zusammensetzte und sich rasch in einer solchen Auseinandersetzung „Apple“ oder „Microsoft“ wiederfand, die unlösbar war und das Kollegium spaltete. Das hinterließ Opfer und Verletzungen. Die Schulleitung handelte klug, indem sie das Thema auf einen nahenden Kollegiumstag vertagte und versprach, hierzu externe Moderation hinzuzuziehen. Und so konnte sie mit dem Kollegium die Digitalisierung gemeinsam voranbringen.
Trotz alledem: Ein Plädoyer für mutige Schulentwicklung in schweren Zeiten
Schulentwicklung heißt: Eine attraktive Zukunft gemeinsam gestalten. Schulen entwickeln sich nicht automatisch in eine positive Richtung – sie entwickeln sich in die Richtung, auf die wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Deshalb:
• Richten Sie den Blick auf Ihre Potentiale, Stärken und Ressourcen.
• Erzählen Sie sich von Erfolgen und Momenten des Gelingens und wie sie diese vermehren können.
• Schaffen Sie Räume für Sinn, Energie und gemeinsame Entwicklung.
Partizipativ entscheiden – echte Beteiligungskultur in der Schule
In allen Bundesländern ist die Beteiligung von Schüler:innen gesetzlich verankert – meist über Schulgesetze und Verordnungen zur Schülervertretung (SV).
Diese Vielfalt zeigt: Der rechtliche Rahmen ist wichtig, aber ausschlaggebend für lebendige Beteiligungskultur ist das, was Schulen daraus machen. Partizipation entfaltet dort ihre Wirkung, wo sie mit Haltung, Mut und Offenheit gelebt wird – unabhängig davon, was „Pflicht“ ist.
Partizipationsmöglichkeiten der Schülervertretungen sind ein entscheidender Bestandteil demokratischer Bildung und eine praktische Übung in Mitverantwortung. Je stärker die Beteiligung von Schüler:innen im schulischen Alltag verankert ist, desto selbstverständlicher erleben sie sich als Teil einer demokratischen Gemeinschaft. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung ist es zentral, jungen Menschen konkrete Erfahrungen mit Mitbestimmung, Aushandlung und Verantwortung zu ermöglichen.
Dazu bieten wir in diesem Blog fünf konkrete Vorschläge.
Einführung kollegialer Fallberatung
Was tun, wenn man bei einem komplexen Problem nicht weiterkommt? Wenn eine Entscheidung schwerfällt oder ein Konflikt belastet? Oder Verunsicherung im Bezug zur eigenen Unterrichtspraxis besteht? Oft hilft der Blick von außen – am besten von Menschen, die die eigenen Herausforderungen ziemlich gut kennen und das sind Kolleg:innen.
Die kollegiale Fallberatung findet in der Regel selbstständig und ohne Moderation von außen statt. Sie dient dazu, Feedback und Beratung zu erhalten, um gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln. Wenn die Methode gut etabliert ist, kann sie gewinnbringend für die Fallgeber:innen und die kollegialen Berater:innen.
Systemische Supervision für Schulen zur Schulentwicklung
Systemische Supervision arbeitet sowohl auftragsbezogen als auch prozessorientiert. Teilnehmer der Supervision werden als Experten ihrer Person und ihrer Arbeit betrachtet und stehen im Dialog mit den Supervisoren als Unterstützter. Sie bringen u.a. eine Außenperspektive auf individuelle, fachliche und institutionelle Kontexte ein und machen durch systemische Fragestellungen Interaktionen, Muster und Prozesse sichtbar. Unterschiede können wahrgenommen werden. Damit gelingt es zu erkennen, was verändert und was beibehalten werden kann und soll.